Aktuelle Fälle des Monats

Fall 1:

Titel
Übergabe von Patienten nach Ankunft im RTW

Fall-Nummer
204708

Zuständiges Fachgebiet 
Chirurgie

Altersgruppe des Patienten
leer

Wo ist das Ereignis passiert? 
Krankenhaus

Was ist passiert? 
Übergabe von RTW zur Pflegekraft der Rettungsstelle. Pat. kam laut Übergabe mit Druck auf den Ohren und wurde somit N4 (grün) triagiert und der Fachabteilung HNO zugeordnet.

Was war das Ergebnis? 
Nachdem es zu einer ausführlicheren Anamnese durch den Arzt in der ZNA kam, wurde zusätzlich Druck auf der Brust, Luftnot und Todesangst angegeben.

Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis? 
Wenn ein Patient über die Feuerwehr kommt, wäre es wünschenswert bzw. wie in anderen Häusern gehandhabt, dass die Übergabe/Rapport der Rettungssanitäter an einen RTS Arzt erfolgt, welcher schlussendlich die Verantwortung hat.

Welche Faktoren trugen zu dem Ereignis bei?

  • Kommunikation (im Team, mit Patienten, mit anderen Ärzten etc.)
  • Teamfaktoren (Zusammenarbeit, Vertrauen, Kultur, Führung etc.)
  • Organisation (zu wenig Personal, Standards, Arbeitsbelastung, Abläufe etc.)

Wie häufig ist dieses Ereignis bisher ungefähr aufgetreten? 
Täglich

Wer berichtet? 
Pflege-, Praxispersonal


Fall 2:

Titel
Übergabe von Patienten

Fall-Nummer
204724

Zuständiges Fachgebiet 
Chirurgie

Altersgruppe des Patienten
leer

Wo ist das Ereignis passiert? 
leer

Was ist passiert? 
Übergabesituation RTW an Pflegekraft: "Patient wurde vorgefunden, div. Abschürfungen im Gesicht, wach, ansprechbar. Und wir haben ihn euch schon mal umgelagert."
Patient hatte einen GCS von 6/5. Es wurde ein Koma Alarm ausgelöst.

Was war das Ergebnis? 
leer

Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis? 
RTW macht keine ausreichende Übergabe, Aussagen zum Patienten stimmen nicht.
Schema ABCD einhalten, Patientenbeobachtung schulen.

Welche Faktoren trugen zu dem Ereignis bei?

  • Kommunikation (im Team, mit Patienten, mit anderen Ärzten etc.)
  • Teamfaktoren (Zusammenarbeit, Vertrauen, Kultur, Führung etc.)

Wie häufig ist dieses Ereignis bisher ungefähr aufgetreten? 
Monatlich

Wer berichtet? 
Pflege-, Praxispersonal

Kommentare 

Kommentar des CIRS-Teams im Krankenhaus zur Fall-Nr. 204708
Eine Übergabe an den ärztlichen Dienst wäre zwar wünschenswert und ist gesetzlich gefordert, aber in der Praxis oft nicht umsetzbar.
Ggf. Schulung des Pflegepersonals zu verschiedenen Übergabe-Schemata der Feuerwehr/Rettungsdienstes. Anwendung von z. B. BAUM, ABCD, MIST etc. bei der Übergabe von RTW zu Pflegekraft. Hier wäre eine Reduktion der Übergabeschemen der Feuerwehr hilfreich, um die Mitarbeiter des ZNA gezielter schulen zu können.

Kommentar des CIRS-Teams im Krankenhaus zur Fall-Nr. 204724
Ergänzung CIRS Team:

• Zuständigkeiten festlegen (Umlagern)
• Eingrenzung der Schemata der Feuerwehr und anschließende Schulung der MA in der RST

Kommentar des Anwender-Forums (2020) zur Fall-Nr. 204708 und Fall-Nr. 204724
Die Übergabe ist das Schnittstellen- und Kommunikationsthema. Abgesehen vom etablierten ABCDE-Schema bei der Übergabe von Polytrauma-Patienten, gibt es bislang kaum Standardprozesse, die im Rettungsdienst und in den Krankenhäusern einheitlich sind. Das ABCDE-Schema steuert die Untersuchung und Versorgung des Patienten nach Prioritäten und stellt gleichzeitig einen Leitfaden für die Übergabe des Patienten dar (Airway-Breathing-Circulation-Disability-Exposure).

Wenige, zumindest regional einheitliche Übergabeschemata werden empfohlen, die alle Teams des Rettungsdienstes und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rettungsstellen kennen und anwenden. So sind in den aktuellen Medizinischen Handlungsanweisungen der Berliner Notfallrettung 11 Schemata (u. a. zur allgemeinen Anamneseerhebung, Schmerzanamnese, zu Atmungsproblemen, Erstuntersuchung) aufgeführt; hier sollte geprüft werden, ob diese Anzahl reduziert werden kann, da Schemata nur angewandt werden, wenn sie auch bekannt sind und vollständig erinnert werden. Je weniger Schemata gelernt werden müssen, desto zuverlässiger werden sie angewendet.

Die konsequente Anwendung und gemeinsame Vereinbarung der Übergabeschemata verbessert die Informationsweitergabe und ermöglicht denjenigen, die die Informationen erhalten, fehlende Informationen aktiv nachfragen zu können. Als weiteren Effekt hat dies zur Folge, dass Rettungsdienstpersonal als auch Notärztinnen und Notärzte dafür sorgen, dass bei der Übergabe die erforderlichen Informationen möglichst vorliegen. Darüber hinaus können Doppelbefunde vermieden werden bzw. erreicht werden, dass dynamische Befunde zielgenau überprüft werden.

Ein einheitliches Übergabeschema wurde kürzlich in einer Region in Österreich eingeführt: Das "ABS-Briefing" wird immer dann durchgeführt, wenn ein Patient mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht wird. Online unter: www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/gesundheit-vorsorge/krankenanstalten/downloads/TGF/Qualitaetsfoerderung/qfp201 6_720eb_standartisierte_patientenuebergabe_rettungsdienst.pdf

Zur weiteren Verbesserung der Übergaben zwischen Rettungsdienst und Krankenhaus wird darüber hinaus empfohlen, diese in (gemeinsamen) Simulationsübungen zu trainieren. Die schon von einzelnen Krankenhäusern mit dem Rettungsdienst durchgeführten Fallkonferenzen sollten auch das Thema Übergabe behandeln.

Nicht vergessen sollte man, dass nicht allein das Schema (also der inhaltliche Ablauf) eine gute Übergabe ausmacht, sondern auch, wer an wen wann und wie übergibt. Stehen immer (alle geeigneten und zuständigen) Mitarbeiter der Rettungsstelle zur Verfügung, um einen Patienten entgegenzunehmen? Können diese sich im Moment der Übergabe auf die Inhalte konzentrieren oder werden gleichzeitig andere Tätigkeiten durchgeführt (z. B. Umlagerung des Patienten)? Idealerweise wird in einer sogenannten closed loop-Kommunikation (etwa "Rückbestätigungsschleife") der Inhalt der Übergabe durch den Empfänger wiederholt und damit im Übrigen oft auch besser erinnert.

Die SOPs der Berliner Feuerwehr sind über die Website der Berliner Feuerwehr frei zugänglich: www.berliner-feuerwehr.de/fileadmin/bfw/dokumente/Publikationen/Rettungsdienst/Medizinische-Handlungsanweisun gen-fuer-die-Notfallrettung-im-Land-Berlin.pdf